Das Bündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND blockiert die Wiesenhof-Schlachtfabrik in Möckern (Sachsen-Anhalt)

Pressemitteilung von MASTANLAGEN WIDERSTAND vom 19.05.2014
(cc) Gustav Pursche, visual rebellion

(cc) Gustav Pursche, visual rebellion

35 TierrechtsaktivistInnen des Aktionsbündnisses MASTANLAGEN WIDERSTAND blockieren heute am 19.Mai 2014 seit sechs Uhr die Zu- und Ausfahrten der Hühner- Schlachtfabrik in Möckern, (Sachsen-Anhalt), um ein Zeichen gegen das tägliche Leiden der Tiere für den Fleischkonsum zu setzen.  Die Blockade wendet sich gegen die systematische Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt durch Wiesenhof. Zeitgleich findet in Wietze (Niedersachsen) eine Blockade vor Europas größter Schlachtfabrik durch SchlachtfabrikgegnerInnen  statt. Im Rahmen von „Blockupy“ und den dezentralen Aktionstagen des Widerstands gegen die Krisenpolitik wollen sich die blockierenden Aktionsgruppen der ausbeuterischen Produktion der Konzerne in den Weg stellen.
(Möckern) Seit sechs Uhr am Morgen sind sechs AktivistInnen vor den Zufahrten der Schlachtfabrik  an drei Betonfässer gekettet und werden sich nicht mehr selbst befreien. Weitere sechs KletteraktivistInnen sind auf Traversen (quer gespannte Seile) in etwa sechs Metern Höhe geklettert, um die Zu- und Abfahrt von LKWs zu verhindern. Mit dieser Blockade wollen die TierrechtsaktivistInnen den Betrieb des Unternehmens vor Ort aufhalten und im Weiteren unmöglich machen. „Die Zustände in den Mastbetrieben und Schlachtfabriken sind unerträglich. Ich möchte mich dem in den Weg stellen, dass hier tagtäglich Tiere als Ware behandelt werden, ihre Individualität und Persönlichkeit keinerlei Wert haben und ihnen am Ende gewaltsam das Leben genommen wird. Dagegen leisten wir Widerstand!“, so Martha Friese – eine beteiligte Aktivistin der Blockade.
40 Millionen Tiere werden jährlich in der Schlachtfabrik in Möckern getötet. Diese ist unmittelbar von 40 Mastanlagen und einer Wiesenhof-Brüterei umgeben, wodurch sich das System Wiesenhof dort in seinem ganzen brutalen Ausmaß präsentiert. In den vergangenen Jahren berichteten die Medien wiederholt aufgrund diverser Skandale, u.a. wegen Tierquälerei und gravierender Hygiene-Mängel über die Schlachtfabrik in Möckern. Wegen erheblicher Verunreinigungen musste der Betrieb im März 2012 sogar vorübergehend geschlossen werden.
Der Konzern hinter der Marke Wiesenhof, die sogenannte PHW-Gruppe, ist der größte Konzern für industrielle Tierhaltung in Deutschland und der drittgrößte in Europa im Bereich der Hühnerzucht, -haltung und -schlachtung. Seit 2011 sind in Deutschland über 800 weitere Hühnermastanlagen in Planung bzw. in Bau. Wiesenhof ist an dem immensen Bau von Mastanlagen maßgeblich beteiligt. Um seinen Status als führenden Geflügelkonzern aufrecht zu erhalten, erhöht er bundesweit kontinuierlich seine Schlachtkapazität. Erst Ende 2012 wurde in Bogen (Niederbayern) eine Wiesenhof-Schlachtfabrik erweitert und die Erweiterung des Betriebs in Wietzen (Niedersachsen) ist aktuell in Planung. Das Vorgehen von Wiesenhof und anderen konkurrierenden Konzernen, immer neue Mastanlagen bauen zu lassen, wollen SchlachtfabrikgegnerInnen bundesweit nicht länger hinnehmen. Aufgrund dessen nimmt der Widerstand gegen Mastanlagen und Schlachtfabriken stetig zu, wird größer und vielfältiger. Zeitgleich zur Blockade in Möckern wird heute die Rothkötter-Schlachtfabrik im niedersächsischen Wietze von TierbefreiungsaktivistInnen blockiert und in ihrem Betrieb aufgehalten.
Blockade Rothkötter-Schlachtfabrik

Blockade Rothkötter-Schlachtfabrik

Die PHW-Gruppe lässt unter anderem in Möckern möglichst viele Tiere innerhalb kürzester Zeit im Akkord schlachten. Zugleich bemüht sich der Konzern Tierhaltung mit Tierschutzrichtlinien, Tierschutzlabeln oder professionellen Marketingstrukturen zu legitimieren und zu beschönigen. Die regelmäßigen Skandale um Wiesenhof innerhalb der letzten zwei Jahre machen jedoch die Zustände, die die Massentierhaltung unweigerlich produzieren für die Öffentlichkeit sichtbar. Denn das Leiden der Tiere ist in der Logik der Tierausbeutung systematischer Bestandteil. Tiere werden nicht als Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen, sondern zur Ware gemacht. Weitere, vermehrt öffentlich thematisierte Auswirkungen der Tierhaltung, wie Klimawandel, Belastung der Umwelt vor Ort und die Ausbeutung der Arbeitskräfte in Schlachtbetrieben, sind ebenso in höchstem Maße problematisch.
Das Blockieren von Schlachtfabriken stellt für die AktivistInnen ein notwendiges Mittel dar, um direkten Widerstand zu leisten. Der skandalumwobene, bundesweit agierende Konzern Wiesenhof steht dabei nur exemplarisch für die Problematiken, die unweigerlich mit der Fleischproduktion und der Tiernutzung verbunden sind. „Es reicht nicht darüber zu diskutieren, ob es den Tieren in den Mastanlagen ein bisschen weniger schlecht gehen soll. Jeden Tag werden mehr und mehr Tiere gequält und getötet. Fleischkonsum ist und bleibt unverantwortlich. Der Betrieb muss deshalb gestört und verhindert werden!“, resümiert Martha Friese die Aktion MASTANLAGEN WIDERSTANDs.
Zu den Grenzen der Aktionsform fügt sie hinzu: „Da die Hühner während der Aktion nicht befreit werden können, sondern in den Tiertransportern eingepfercht bleiben, gebührt den einzelnen Tieren unser tiefstes Mitgefühl. Wir sind nicht diejenigen, die Tiere gewinnbringend einsperren und töten. Die Verantwortung für das Leiden und Sterben liegt ganz klar bei Wiesenhof. Unser Ziel ist es, uns diesem gewaltvollen Handeln in den Weg zu stellen und ein Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür zu schaffen!“
Das Aktionsbündnis gegen Wiesenhof MASTANLAGEN WIDERSTAND stellt einen Zusammenschluss aus verschiedenen Gruppen, Einzelpersonen und AktivistInnen dar. Konkret will das Bündnis Hühnermastanlagen und somit Zulieferbetriebe für Wiesenhof-Schlachtfabriken verhindern und auf diesem Wege gegen das Ausbeuten und Töten von Tieren, gegen regionale sowie globale Umweltverschmutzung und menschlichen Unterdrückung vorgehen.
Weitere Infos und Bilder folgen in Kürze auf dem Blog und unter https://www.facebook.com/mastanlagenwiderstandbuendnis