TierrechtsaktivistInnen blockieren zehn Stunden lang die Wiesenhof-Schlachtfabrik in Möckern, Sachsen-Anhalt

Pressemitteilung vom 21.05.2014

(cc) Gustav Pursche, visual-rebellion.com

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Pursche, visual-rebellion.com

Wie gestern in einer Pressemitteilung berichtet, wurden zwei Hühner-Schlachtfabriken am Montag, den 19. Mai 2014, zeitgleich durch TierrechtsaktivistInnen blockiert. Das Aktionsbündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND blockierte die Wiesenhof-Schlachtfabrik in Möckern (Sachsen-Anhalt), während AktivistInnen des Bündnisses für Tierbefreiung Europas größte Hühnerschlachtfabrik von Rothkötter in Wietze (Niedersachsen) in ihrem Betrieb für mehrere Stunden aufhielt.

Die Aktionen richteten sich gegen die systematische Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt für die Fleischproduktion. Des Weiteren war das ausgesprochene Ziel der Aktionen, sich im Rahmen der dezentralen Blockupy-Aktionstage der Produktion von ausbeuterischen Konzernen direkt in den Weg zu stellen. Um sechs Uhr morgens begann die zehnstündige Protestaktion der 40 AktivistInnen in Möckern, welche gegen 18 Uhr vollständig durch die Polizei geräumt wurde. Um sich dem Schlachtbetrieb von Wiesenhof in den Weg zu stellen und diesen in seinem Ablauf zu stören, beziehungsweise unmöglich zu machen, blockierten die 40 AktivistInnen die Zu- und Ausfahrten der Schlachtfabrik.

Dort werden jährlich bis zu 40 Millionen Tiere getötet werden. Sechs der AktivistInnen waren an drei Betonfässer gekettet. Weitere AktivistInnen kletterten auf Traversen (quer gespannte Seile) zwischen den Bäumen an den Zufahrten, um die Durchfahrt der LKWs zu verhindern. Rund um die Schlachtfabrik in Möckern befinden sich eine Brüterei der PHW Gruppe (Marke Wiesenhof) und ca. 40 Mastanlagen, die als Zuliefererbetriebe für die Schlachtfabrik dienen. Dieser Ort, der das ganze brutale Ausmaß der systematischen Fleischproduktion verdeutlicht, stellte für die AktivistInnen einen geeigneten Ort da, um mit ihrer Blockadeaktion auf den fatalen Umgang von Menschen mit Tieren aufmerksam zu machen. Wenn sich 40 Menschen in diesem Moment dem Schlachtbetrieb und dem weiteren Töten in den Weg stellen, können sie für einen Moment eine Maschinerie aufhalten, die im Akkord Lebewesen tötet und zur Ware, zum Produkt machen soll.Eine Maschinerie, die keinerlei Rücksicht auf Individuen nimmt und niemals deren Verlangen nach einem glücklichen Leben gerecht werden kann“, hieß es in einem Redebeitrag der AktivistInnen.

Während sich Wiesenhof nicht zur Blockade äußerte, kündigten die Polizeikräfte bereits kurz nach der Ankunft an der Schlachtfabrik an, ein Eingreifen nicht für notwendig zu erachten. Entgegen dieser Aussage wurden elf Polizeiwägen mit Räumgeräten und 120 PolizistInnen an den Protestort gebracht. Nach ca. neun Stunden begann die Polizei schlussendlich mit der gewaltvollen Räumung. Die UnterstützerInnen der blockierenden AktivistInnen wurden wiederholt nach ihren Personalien befragt, akribisch abgefilmt und erhielten bei Beginn der Räumung mündliche Platzverweise für das gesamte Stadtgebiet Möckerns.

Doch nicht nur in Möckern zeigt sich Tierhaltung in ihrer extremen Grausamkeit. In ganz Deutschland entstehen immer weitere Schlachtkapazitäten und Mastanlagen. Der Konzern hinter der Marke Wiesenhof, die sogenannte PHW-Gruppe, ist der größte Konzern für industrielle Tierhaltung in Deutschland und der drittgrößte in Europa im Bereich der Hühnerzucht, -haltung und –schlachtung. Er steht deshalb für das Bündnis MASTANLAGEN WIDERSTAND symbolisch für industrielle Tierhaltung. Insgesamt sind seit 2011 sind in Deutschland über 800 weitere Hühnermastanlagen in Planung beziehungsweise in Bau. Wiesenhof ist an diesem immensen Bau von Mastanlagen maßgeblich beteiligt. Aber auch für den Konzern Rothkötter (Celler Frischgeflügel), der Ende 2011 Europas größte Hühnerschlachtfabrik bauen ließ, entstehen immer weiter Zulieferbetriebe, um die potentielle Schlachtkapazität von 400.000 Tieren voll auszulasten.

Diese Schlachtfabrik wählte das Bündnis für Tierbefreiung in Wietze für ihre direkte antikapitalistische Aktion. Die AktivistInnen blockierten die Zufahrten, indem sich zwei Menschen an ein Betonfass ketteten und zwei weitere an einem Betonklotz der sich in einem Auto befand. Weitere TierbefreiungsaktivistInnen ketteten sich an stehende und vorbeifahrende Transporter oder beteiligten sich an einer Sitzblockade. Gegen Mittag räumte die Polizei die Blockade. Mit großem Gerät transportierte sie das Betonfass und das Auto zur Seite, obwohl die AktivistInnen während der Räumung akut der Gefahr ausgesetzt waren, Armbrüche zu erleiden. Die Polizei verhielt sich an beiden Blockadeorten wiederholt sehr repressiv und zeigte sich mit großem, gewaltvollem Aufgebot.

Einer Kriminalisierung war die Bewegung schon im Voraus ausgesetzt.Geplante Protestaktionen, wie Schlachtfabrikblockaden, wurden im letzten Jahr durch den Einsatz des Polizeispitzels Ralf Gross verunmöglicht. Bei den dezentralen Blockupyaktionstagen, zeigt sich die TierrechtsaktivistInnen aber weiterhin entschlossen: ,,Wenn sich vierzig Menschen dem Betrieb von Schlachtfabriken in den Weg stellen, sind sie Teil einer Bewegung, die sich für Veränderung stark macht und der Unterdrückung von Menschen und Tieren keinen Platz mehr geben will!“ Tierhaltung und Fleischkonsum wird als Normalität betrachtet. Unter anderem für die Fleischproduktion entstehen jedoch immer mehr grausame Tierfabriken.

Solange dieser Zustand als normal gilt, wird auch der Widerstand gegen diesen Teil der Produktion größer und vielfältiger. Die Blockadeaktionen der TierrechtsaktivistInnen am vergangenen Montag in Möckern und Wietze vor den Toren von Wiesenhof und Rothkötter zeigen, dass weiterer Widerstand gegen Tierausbeutung nötig und möglich ist.